Erste Hilfe bei Motorradunfällen

Es ist für viele eine missliche Situation: Als Erster am Unfallort zu sein und dort einen schwer verletzten Motorradfahrer vorzufinden. Weit und breit ist niemand zu sehen und Ihr Erste Hilfe-Kurs ist lange her. Trotzdem: Zögern Sie nicht, helfen Sie!

Erste Hilfe kann Menschen das Leben retten, und niemand wird Ihnen einen Vorwurf machen, wenn Sie nicht die gleiche fachmännische Expertise an den Tag legen wie ein studierter Notarzt oder ein professioneller Helfer. Nur Nicht-Helfen ist garantiert die falsche Entscheidung.

Jeder zehnte verunglückte Biker erleidet bei einem Unfall Verletzungen im Halswirbelbereich. Deshalb sind Ersthelfer am Unfallort oft unsicher, ob sie den Helm des Verunglückten abnehmen sollen.

Im Fall eines verletzten Motorradfahrers heißt helfen: Der Helm muss runter. Nur dann kann der Verletzte in die Seitenlage gebracht werden, wenn er bewusstlos ist und atmet – oder bei keiner normalen Atmung wiederbelebt werden. Auch bei leichteren Verletzungen ist es zumindest für eine bessere Atmung und den Wärmehaushalt wichtig, dass der Helm vom Kopf kommt.

Wenn das Unfallopfer den Helm nicht selbst abnimmt

 
1. Schritt: Überprüfen Sie, ob das Unfallopfer auf Ansprache reagiert. 

“Ein Motorradfahrer, der nach dem Unfall seinen Helm noch auf hat, geht es nicht gut”, sagt Dirk Lampl von “ADAC gelbhilft”, dem Ausbildungsunternehmen für Erste Hilfe. Wer einen Motorradunfall unbeschadet überstanden hat, wird in aller Regel den Helm von selbst abnehmen. Sitzt der Helm noch auf dem Kopf, besteht vermutlich zumindest ein Schock und damit die Gefahr, dass der Betroffene kollabiert.

Liegt der Motorradfahrer bereits am Boden, gilt folgende Vorgehensweise: Klappen Sie das Visier hoch, sprechen Sie ihn an und rütteln Sie leicht an beiden Schultern des Verletzten. Kommt keine Reaktion, schreien Sie laut um Hilfe, um Menschen in der Umgebung aufmerksam zu machen. Dann beginnen Sie mit der Helm-Abnahme.

“Alles, was bunt ist, benutzen”

2. Schritt: Lösen Sie alle beweglichen Teile des Helms.

Versuchen Sie, im Helm möglichst viel Platz zu schaffen. Entfernen Sie alle Schals, Halstücher, o.ä., die sich problemlos lösen lassen. Öffnen Sie den Verschluss am Kinnriemen. Wenn es sich um einen Klapphelm handelt, kippen Sie die Kinnpartie nach oben. Entfernen sie bei Integralhelmen den Kinnschutz; bei einigen neueren Modellen (siehe unten) lassen sich auch die Wangenpolster an beiden Seiten des Helms entfernen.

Meistens sind Punkte, an denen sich etwas öffnen oder herausnehmen lässt, rot oder gelb markiert. Daher gilt: “Alles, was bunt ist, benutzen”, sagt Dirk Lampl. Stellen Sie den Helm anschließend möglichst gerade auf, also im 90 Grad-Winkel zum Boden, damit die Öffnung möglichst weit und der Kopf des Verletzten gerade ist.

So ziehen Sie den Helm schonend ab

3. Schritt: Versuchen Sie, den Helm vorsichtig vom Kopf abzuziehen.

Idealerweise sind Sie spätestens jetzt zu zweit, notfalls versuchen Sie aber auch alleine, den Helm möglichst schonend abzuziehen. In diesem Fall knien Sie sich ans Kopfende und ziehen Sie den Helm vorsichtig so weit in Ihre Richtung ab, bis Sie mit einer Hand den Hinterkopf des Verunfallten abstützen können. Ziehen Sie dann den Helm ganz ab und legen Sie den Kopf des Motorradfahrers vorsichtig ab.

Wenn Sie aber Hilfe haben, gehen Sie zu zweit vor. Ein Helfer kniet sich hinter den Kopf des Unfallopfers – er sorgt für den nötigen “Freiraum”. Hat das Unfallopfer noch eine Brille auf, nimmt er sie ihm ab, dann spreizt er den Helm mit beiden Händen an den Seiten links und rechts des Unterkiefers so weit wie möglich auseinander und beginnt langsam, den Helm nach oben zu sich hin vom Kopf zu ziehen.

Quelle: ADAC

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